Musikwiedergabe allgemein

Gleich vorweg, der Inhalt dieses Artikels wird den Wenigsten gefallen, weil es sich dabei um „unliebsame Realität“ handelt und weil man das worum es hier geht, nicht einfach kaufen kann wie schöne Geräte.
Das was hier steht, ist nur ein Vorgriff auf die „Wichtigkeitsskala“ am Ende der Artikel-Auflistung in dieser HP. Ich finde es aber wichtig, hier gleich am Anfang  dieser HP darauf einzugehen.
Was ich damit nicht beabsichtige, das ist, Jemanden die Freude an edlen Geräten zu nehmen, die auch ich gerne besitze, denn das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun. Es reicht völlig, wenn der Inhalt dieses Artikels verstanden wird und wenn er ein bisschen zum Nachdenken anregt.

Worum geht es generell?

Es geht um die vielen Unzulänglichkeiten, die es bei der Musikwiedergabe zuhause im Normalfall gibt und die den eigentlichen „Flaschenhals“ dabei darstellen. Solange diese Unzulänglichkeiten existieren, ist eine Investition in „noch bessere Geräte“ sinnlos, es sei denn, es geht dabei um Funktionen oder Ähnliches, aber klanglich wird dadurch nichts besser.

Das wird natürlich Niemand, der Geld mit HiFi-Komponenten verdient (Hersteller, Vertriebe, Händler, Medien), an die große Glocke hängen (falls sie es überhaupt wissen, wovon leider nicht immer auszugehen ist). Vielmehr wird einem eingeredet, dass es sich immer auszahlt, besonders „gute“ (sprich: teure) Geräte zu kaufen, weil die ja angeblich besser klingen.
Auch die HiFi-Hobbyisten sehen das gerne so, denn „dass da noch mehr geht“, einfach durch den Kauf von besseren Geräten, das ist meist ein durchaus reizvoller Gedanke, nicht aber der, dass sie aufgrund ihrer Gegebenheiten zuhause Grenzen vorgegeben haben, die nur ganz schwer – oder gar nicht – zu überwinden sind.

Dessen sind sich auch die einschlägigen Werbeabteilungen bewusst und ebenso die HiFi- Medien. Deshalb wird alles  „totgeschwiegen“, das schlecht für den Geräteverkauf ist. Oder haben Sie von denen schon ausführliche Artikel zu dem gelesen, worum es hier geht? Solche Artikel gibt es aber jede Menge, denn sie gehören zum abgesicherten Wissen der Spezialisten, man muss nur wissen wo man sie findet, „aufgedrängt“ werden sie einem nicht.
Auch sogenannte „Berater“ in Fachgeschäften oder in Großmärkten werden nie auf das hinweisen was hier geschrieben steht und zwar deshalb, weil sie keine Ahnung davon haben, denn dazu muss man schon viel tiefer in die Materie eindringen als nur Prospekte lesen, Testberichte zitieren, Bildchen anschauen und „über Watt reden“.

Worum geht es genauer?

In der Wichtigkeitsskala am Ende dieser HP steht an oberster Position für guten Klang die Aufnahmequalität. Darüber gibt es auch (hoffentlich) nichts zu diskutieren.

Sofort danach kommt die Raumakustik (Details dazu im Artikel „Raumakustik“), die extrem wichtig ist, aber für sich alleine betrachtet ist auch sie nur Teil des Ganzen, denn dazu kommen noch (sowohl für die Stereo- als auch für die Surroundwiedergabe) die Anordnung der Lautsprecher im Raum und die Hörplatzwahl. Ein weiterer absolut wichtiger Punkt ist „Symmetrie„, denn davon „lebt“ die mehrkanalige Wiedergabe (Details dazu im Artikel „Stereowiedergabe“)!
Keine Symmetrie – kein Stereo. Das ist Fakt wie ein Naturgesetz!

Alles bisher Aufgezählte (und Unterstrichene) ist derartig wichtig, dass es darüber nichts zu debattieren gibt. Leider! Schenken Sie Niemanden Glauben, der Ihnen da etwas Anderes erzählt, denn das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass er kein Basiswissen hat und dass er die Musikwiedergabe in einem Raum nicht verstanden hat!

Mangelt es an nur einem der oben aufgezählten Punkte, ist hochwertige Musikwiedergabe nicht möglich. Bei guter Raumakustik alleine ist aber zumindest „gute musikalische Raumbeschallung“ möglich, was bitte nicht zu sehr abwertend verstanden werden soll, denn so kann man „auch“ Musik hören und es ist  erwiesen, dass das für die meisten Menschen reicht. Das ist auch in geschätzt 98% aller Fälle ohnehin „gelebte Praxis“, denn wer hat schon die Möglichkeit, alles oben Beschriebene im eigenen Wohnraum, der ja meist auch als Hörraum dient, umzusetzen? Alleine schon die Forderung nach Symmetrie ist eine meist  unüberwindbare Hürde. So etwas geht – wenn überhaupt – nur in einem dafür vorgesehenen und für die Musikwiedergabe optimierten Hörraum. Dann funktioniert Stereo nur für eine Person, die sich beim Hören an der richtigen Stelle (im sogenannten „Sweetspot“) befindet . Schon zwei Personen nebeneinander sitzend können nicht zur gleichen Zeit Stereo hören! Sie hören dann zwar Musik aus zwei Boxen, aber die beiden Stereokanäle fügen sich nicht zu einer Einheit zusammen. So absurd es erscheinen mag, ein Monosignal aus nur einer dieser beiden Lautsprecherbox würde weniger Wiedergabefehler machen.

Um ideale Bedingungen auf die Beine zu stellen, muss man das dazu notwenige Wissen mitbringen und man muss bereit sein, darin einiges an Geld und Arbeit zu investieren.

Aber!
Ist alles das worauf es wirklich ankommt sehr gut, ist es gar nicht mehr notwendig, sehr viel Geld in die eigentliche Anlage zu stecken und schon gar nicht in teure Elektronik. Es ist dann oft verblüffend, wie gut auch relativ billige Komponenten Musik wiedergeben, die erst dann in der Lage sind, ihr eigentliches Potential auszuspielen.

Es ist also falsch anzunehmen, dass die Klangqualität mit der Höhe der Investitionssumme synchron nach oben geht, wenn die Randbedingungen schlecht sind.
Das ist dann vergleichbar damit, bei einem Auto, das auf rutschigem Untergrund bewegt wird, die Motorleistung durch Tuning anzuheben, obwohl die Räder längst zu wenig Traktion haben.
In beiden Fällen sind die Ansatzpunkte falsch.

Geht es auch „perfekt“?
Nein, denn solange Lautsprecher sehr viele Kompromisse beinhalten, kann nichts perfekt sein, aber anders ist es zur Zeit nicht möglich. Die Lautsprecher sind in qualitativer Hinsicht die mit Abstand „schlechtesten“ Komponenten praktisch jeder Audiowiedergabeanlage.
Es gibt aber eine Annäherung hin zur Perfektion und die sieht so aus, dass Raum und Lautsprecher gemeinsam konstruiert werden, denn beides ist immer miteinander verknüpft und beides ist voneinander abhängig, darin sind sich alle Spezialisten einig. Das heisst aber nicht, dass sich dadurch so etwas wie eine „Einheits- oder Normkombination“ ergeben würde, denn besagte Spezialisten sind sich gar nicht darin einig, welche Abstrahleigenschaften  bei Lautsprechern ideal sind und wie hoch der Reflexionsanteil bei der Wiedergabe im Hörraum sein soll. Alles das hängt auch davon ab, welches Lautsprechersystem (Direktstrahler, Rundumstrahler, Kugelstrahler, Dipole, Flächen, Hörner, Zeilen…..) bevorzugt wird – bzw. zum Einsatz kommt – und wie laut man damit hören will. Fest steht aber in jedem Fall, dass Raum und Lautsprecher zueinander passen müssen, sie müssen miteinander „interagieren“. Das Endresultat hängt nur davon ab, wie gut diese Interaktion gelingt.

Noch eine letzte Anmerkung

Die besten Anlagen habe ich nie im Zusammenhang mit kaufbaren Produkten und in Wohnräumen gehört, auch nicht bei Investitionen die vergleichbar sind mit teuren Autos, sondern immer nur bei DIY-Leuten (also Selbstbauern), die verstanden haben worauf es wirklich ankommt. Diese Leute haben sich frei gemacht von allen Werbesprüchen, stattdessen haben sie sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt, sie haben Studien der Spezialisten gelesen, sie haben gelernt, Simulationsprogramme anzuwenden, Messungen durchzuführen und Korrekturen an den richtigen Stellen zu setzen. Fast immer sind daraus vollaktive und DSP-kontrollierte Anlagen entstanden, aber nicht deshalb, weil diese grundsätzlich besser sind (das sind sie, aber gut gemachte passive können auch sehr gut funktionieren), sondern weil es trotz höherem elektronischen Aufwand viel einfacher, präziser und schneller geht, Änderungen durchzuführen, bzw. Lautsprecher und Raum miteinander „einzumessen“.
Oft waren die Anlagen der DIY-Leute nicht besonders schön, sondern eher nur zweckmäßig gebaut. Die Elektronik bestand fast immer nur aus „billigem PA-Zeugs“, weil so etwas völlig ausreicht. Verkabelt wurde mit Kabel aus dem Baumarkt oder mit sonstigen „Billigstrippen“, weil auch das in Wahrheit kein Thema ist.
Dafür waren aber Raumakustik, Lautsprecheraufstellung und Symmetrie makellos. Die Größe der Lautsprecher und die Anzahl der Wege hat sich nach der maximal geforderten Lautstärke gerichtet und fast immer gab es getrennte Subwoofer.
Kurzum: diese DIY-Leute haben alles richtig gemacht und das war eindeutig hörbar, in Form von Breitbandigkeit, Neutralität, exakter virtueller Mitte, präziser Breitenstaffelung, wunderbarer Bühnensimulation und hoher Realitätsanmutung. Ein „Mehr“ ist dann wirklich kaum noch möglich. Und das Schöne daran ist, dass man so etwas mit relativ wenig Geld herstellen kann. Weniger schön ist, dass dazu viel Wissen und handwerkliches Geschick notwendig sind. Alles das erlernt man nicht „von heute auf morgen“, das ist ein langer Prozess, der auch mit viel Frust verbunden sein kann, aus dem man allerdings wieder lernt.