Lüge und Wahrheit

Was ist für die hochqualitative Musikwiedergabe wirklich wichtig? Hier die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…..

In der HiFi-Szene wird viel erzählt wenn der Tag lang ist. Das wenigste davon stimmt. Siehe Zubehör im Allgemeinen und den ganzen „Kabelwahnsinn“ im Speziellen. Logisches sowie physikalisches Denken wird dabei ausgeschaltet. „Märchen“ werden erzählt, die jeder technischen Grundlage entbehren. Prüft oder hinterfragt man diese „Märchen“, bleibt nichts mehr übrig das Sinn macht. Auch kann man in den meisten Fällen selbst mit hochempfindlichen Messgeräten nichts feststellen das Relevanz haben könnte. Tatsächlicher Effekt ist also Null und das bei meist hohen Kosten. Nicht immer ist aber böse Absicht im Spiel. In der Praxis ist es nämlich oft so, dass sowohl die Märchenerzähler (Hersteller/Vertriebe/HiFi-Magazine/Händler) als auch die Endkonsumenten gemeinsam Irrtümern aufsitzen und diese dann als „Erfahrung“ bezeichnen. So etwas passiert sehr schnell. Mit ein bisschen Suggestion (absichtlich oder unabsichtlich) und dem nötigen Wunschdenken kommt man zu falschen Schlüssen. Siehe Fake-Tests, die immer wieder bestens funktionieren. Beim Vergleichshören ist also immer auch viel Suggestion im Spiel. Fast „automatisch“ klingt das sympathischere Gerät besser oder das welches (absichtlich?) lauter gedreht wurde.

Die Basis für guten Klang

Zwei Dinge sind vorerst wichtiger als eine tolle HiFi-Anlage und beides können Sie nicht (oder kaum) im HiFi-Fachhandel kaufen: das Erste sind technisch hochqualitative Aufnahmen. Haben Sie diese nicht, hilft Ihnen die beste HiFi-Anlage der Welt nichts. Sogar das Gegenteil ist der Fall, denn umso besser die Wiedergabe solcher Aufnahmen ist, desto deutlicher werden auch Fehler aufgedeckt. Das Zweite (und nicht minder Wichtige) ist gute Raumakustik. Auch hier wieder das Gleiche: die „beste“ HiFi-Anlage der Welt wird in einem akustisch schlechten Raum grausam klingen. Und gleich an dieser Stelle: elektronische Raumklangkorrekturgeräte können gröbere Raumakustikprobleme nicht kompensieren. Lassen Sie sich das nicht einreden! Damit kann man, wenn bereits alle anderen möglichen Maßnahmen getroffen wurden, dem Klanggeschehen am Hörplatz noch den letzten Feinschliff verpassen, mehr nicht. Gute Raumakustik erzielt man nur durch gut überlegte physikalische bzw. „mechanische“ Maßnahmen. Mit ein paar kleinen Pölsterchen, die „dort oder da“ an die Wand gepappt werden ist leider nichts zu holen, auch wenn das immer wieder so versprochen wird. Die Physik und die Naturgesetze kann man nicht austricksen, man kann sie immer nur richtig anwenden und in diesem Fall bringen kleine schallabsorbierende Flächen soviel wie gar nichts.

Ohne gute Aufnahme und ohne gute Raumakustik gibt es keine gute Musikwiedergabe, da brauchen wir uns nichts vorzumachen!

Leider ist aber auch das erst ein Teil vom Ganzen, denn ebenso wichtig sind: die Geometrie (genau genommen eher die Symmetrie) des Stereodreiecks, bzw. die Positionierung des Stereodreiecks im Raum, die Aufstellung der Lautsprecher und die Hörplatzwahl. Gibt es hier Unsymmetrie, ist Stereohören nicht möglich. Dabei gibt es auch fast keine Toleranz, schon kleine Fehler verunmöglichen die Stereowiedergabe.

Nun zur „Hardware“:

Die Lautsprecher

Keine Frage, dass die schwächsten Komponenten einer Wiedergabekette praktisch immer die Lautsprecher sind. Genau genommen bestehen sie aus einem „Bündel von Kompromissen“. Nichts dabei ist ideal, weil das gar nicht möglich ist. Dagegen liefern selbst billige gute Audio-Elektronikprodukte Daten, die über jeden Zweifel erhaben sind. Kein Lautsprecher dieser Welt kann diese umsetzen. Es ist fast schon lächerlich, Audio-Elektronikprodukte klanglich (!) mittels Lautsprecher vergleichen zu wollen, denn das ist so ähnlich wie der Versuch, einen Gegenstand auf hundertstel Millimeter genau mit einem Maßband zu messen. Im Übrigen gilt das auch für das menschliche Gehör samt seinem äußerst schlechten Merkvermögen für Details. Nur Messgeräte können uns genauen Aufschluss über etwaige Unterschiede aufzeigen, die Frage ist dann nur noch, inwieweit diese auch hörbar sind (Thema Hörschwellen, bei Diskussionen quasi ein Fass ohne Boden und vor allem individuell).

Der Verstärker

Wird vorwiegend in Zimmerlautstärke gehört und sind keine schwierig zu betreibenden Lautsprecher in Verwendung, spielt der Verstärker eine recht untergeordnete Rolle. Dazu aber zwei wichtige Hinweise: kein Risiko geht man ein, wenn man sich für einen Verstärker eines namhaften und bewährten Herstellers entscheidet und wenn man kein Röhrengerät wählt (Erklärung dazu folgt später). Diese „untergeordnete Rolle“ von Verstärkern ändert sich allerdings in der Praxis beim Wunsch nach höheren Lautstärken. Dabei kommt es aber nicht so sehr auf die gerne als Verkaufsargument angeführten hohen Wattzahlen an, denn sie alleine sagen vorerst einmal nicht viel aus. Seriöse Händler sprechen darüber gar nicht. Seriöse Händler sprechen überhaupt nicht von technischen Daten, weil sie im Normalfall für die Endverbraucher unwichtig sind. Bei Verstärkern die auch für hohe unverzerrte Lautstärken geeignet sein sollen, zählt in erster Linie deren Laststabilität. Wie es darum bestellt ist, das steht – falls überhaupt – nur versteckt erkennbar in den Prospekten. Ein guter Indikator dafür ist eine annähernde Verdopplung der Ausgangsleistung bei halber Lastimpedanz.
Auch wenn es lächerlich klingen mag, aber das Gewicht eines analogen Verstärkers (Achtung: gilt nicht für Class-D bzw. Schaltverstärker mit Schaltnetzteil!) sagt schon Einiges über dessen Laststabilität aus. Bei einem herkömmlichen Verstärker ist der indirekte Stromlieferant der Netztransformator und dieser ist immer schwer, wenn er hohen Strom übertragen kann. Eine gute Laststabilität ermöglicht auch den Betrieb von schwierigen Lautsprechern. Wenn notwendig, auch mit höheren oder gar hohen Lautstärken, vorausgesetzt dass die Lautsprecher und die Raumakustik dabei mitmachen.

Nehmen Sie also das Thema Verstärkerwahl nicht so sehr wichtig, solange Sie „normale“ Lautstärkenanforderungen an Ihre Anlage stellen!

Die berechtigte Frage, wozu es dann überhaupt teure Verstärker (und Abspielgeräte) gibt, lässt nur eine seriöse Antwort zu, nämlich die, dass sie besonders gut und edel gebaut sind. Teure Geräte beinhalten normaler Weise bessere elektronische und mechanische Bauteile als üblich, dadurch gibt es mehr Langzeitstabilität und beim Bedienen spürbar bessere Haptik. Die Funktionen sind gut durchdacht und sinnvoll, es gibt keinen unnötigen Ballast. Man merkt einfach, dass hier gescheite Menschen am Werk waren die etwas für Kenner geschaffen haben. Im Falle ist auch der Wiederverkaufswert solcher Geräte höher, denn es gibt immer Leute, die so etwas gebraucht suchen. Tatsächlich „besser“ klingen also teure Audio-Elektronikprodukte nicht und schon gar nicht bei Zimmerlautstärke.

Geräte verschiedener Hersteller kombinieren?

Schon seit fast immer gibt es hier Anschluss-Normen, zumindest einmal aus elektronischer Sicht. Somit können auch Geräte unterschiedlicher Hersteller bedenkenlos zusammengeschaltet werden. Dass etwas „besonders gut zusammenpasst“, das fällt wieder einmal ins Bereich der Märchen. Es gibt nur ganz selten Hersteller die komplett eigene Wege gehen (auch bezüglich der Stecker und Buchsen), wirklich sinnvoll ist so etwas aber nicht.

Abgesehen von zusammenpassender Optik und einer gemeinsamen Fernbedienung gibt es also keinen Grund, Geräte vom gleichen Hersteller zu verwenden. Aber es spricht auch nichts dagegen, denn alle guten Hersteller sind heute in der Lage, alle Arten von Komponenten in tadelloser Qualität herzustellen.

Zu den Verstärkern mit Röhren und Ausgangstransformatoren in den Endstufen (es gibt nämlich spezielle Röhrenverstärker, auf die das nachfolgend Geschriebene nicht zutrifft, aber sie sind die Ausnahme)

Abgesehen davon, dass man in diesem Bereich für wenig Geld nur eher Minderwertiges aus Fernost bekommt, verändern Röhrenverstärker ihre Linearität und somit ihre klanglichen Eigenschaften in Abhängigkeit vom Impedanzverlauf der angeschlossenen Lautsprecher. In den Prospekten und Zeitschriften wird deren Frequenzgang immer nur so gezeigt wie er sich an einem Fixwiderstand misst und da gibt es nichts zu kritisieren. Ganz anders verhalten sich Röhrenverstärker bei schwankendem Lastwiderstand – bzw. an komplexen Lasten, so wie es Lautsprecher nun mal sind. Nur Vollbereichs-Magnetostaten haben einen fast linearen Impedanzverlauf, aber davon gibt es nur noch ganz wenige am Markt (leider!). Sie haben aber meist auch recht schwachen Wirkungsgrad, höhere Lautstärken mit kleineren Röhrenverstärkern sind somit nicht möglich.

Röhrenverstärker können klanglich tatsächlich besser gefallen als übliche Transistorverstärker, aber sie sind nicht klangneutral. Wenn dieser „verzogene“ Klang besser gefällt und die Optik fasziniert, spricht – jetzt einmal abgesehen von ihrer schlechten Ökonomiebilanz (ca. 75% der zugeführten Energie wird in Wärme umgesetzt), ihrer höheren Störanfälligkeit und den Folgekosten (Röhren halten nur begrenzt) – nichts gegen einen Kauf.

Eine immer wiederkehrende Falschaussage: großer Raum – große Lautsprecher, kleiner Raum – kleine Lautsprecher

In Wirklichkeit hat das Eine mit dem Anderen nicht viel zu tun. Was hauptsächlich zählt ist der Hörabstand und dieser sollte besser klein(er) als (zu) groß gewählt werden. Alles über 3 Meter ist selten gut und wenn, dann nur bei optimaler Raumakustik und sehr großen Lautsprechern. Nicht egal in diesem Zusammenhang ist die Anordnung der Chassis (Schallzentren). Lautsprecher bei denen aus konstruktiven Gründen die Hoch- und Mitteltonchassis weit auseinander liegen (bei Hörnern oft unumgänglich) sind für kurzen Hörabstand nur schlecht geeignet. Koax-Chassis haben hier eindeutige Vorteile (dafür wieder andere Nachteile). Bei den Tieftonchassis hängt es davon ab, wie hoch sie ins Grundtonbereich hineinspielen. Alles nicht so einfach! Aber fest steht, dass die Raumgröße und die Größe der Lautsprecher fast nichts miteinander zu tun haben! Das gilt in beiden Richtungen. Kleine Kompaktboxen können in einem großen bis sehr großen Raum bestens funktionieren, solange der Hörabstand klein bleibt. Große Lautsprecher in einem relativ kleinen Raum ebenfalls, wenn die Raumakustik gut ist (stark schallabsorbierend).

Was tun bei Tieftonproblemen im Hörraum?

Mit den üblichen raumakustischen Maßnahmen ist da nichts zu holen. Die Raummoden bauen sich in jedem Fall auf (bedingt durch die Raumdimensionen) und sie lassen sich durch Dämmmaterialien praktisch nicht beeinflussen, schon gar nicht mit kleinvolumigen. Wie ausgeprägt diese Raummoden sind, das hängt von mehreren Faktoren ab, die alle zusammen wirksam werden. Sehr viel kann man dabei gut machen, wenn man die Möglichkeit hat das Stereodreieck frei zu wählen. Dazu gibt es Grundsatzregeln, aber auch Online-Rechner im Internet. Hat man zur Musikwiedegabe einen eigens dafür vorgesehenen Raum zur Verfügung, ist so eine Optimierung möglich. Ein bisschen hängt die Sache auch von der Beschaffenheit der Wände ab. „Weiche Wände“ mit beispielsweise Rigipsplatten an einem Lattenrost montiert können sogar vorteilhaft sein, weil sie als Plattenschwinger wirksam werden. In Studios werden sie teilweise ganz bewusst eingesetzt und/oder es wird mit Helmholtzresonatoren gearbeitet. Nichts davon ist aber so effektiv wie Bassarrays, bei dementsprechendem Aufwand. Einfach erklärt sind das mehrere Subwoofer, die an speziellen Plätzen im Raum stehen und die nicht nur Schall abgeben, sondern mittels Gegenphase auch Schall „absaugen“.

Lautsprecher mit gutem Tiefgang führen nicht zwangsläufig zu Problemen im Bassbereich. Die problematischen Frequenzen liegen fast immer im höheren Tieftonbereich (60-100Hz), den schon Kompaktlautsprecher „bestens“ anregen können. Meist sind sie es sogar, die genau dort ihren „Frequenzbuckel“ haben.

Noch einmal zum Thema Lautsprecher

Wie schon erwähnt, ist kein Lautsprecher dieser Welt ist in der Lage die Qualität guter E-Audiokomponenten fehlerfrei umzusetzen. Leute die das bestreiten (die gibt es tatsächlich!), sind nicht ernst zu nehmen. Zum Glück ist das menschliche Gehör aber ohnehin nicht besonders gut, im Gegenteil, es ist sogar sehr tolerant bei Wiedergabefehlern, vor allem im Zusammenhang mit Musik. „Zum Glück“ kann man da nur sagen, denn wäre es anders, könnten wir kaum genussvoll Musik hören. Bei Verwendung von Messsignalen (Sinustönen) ist das Gehör weit besser wenn es um das Erkennen von Fehlern oder Unterschieden geht (Verhältnis Testtöne/Musik etwa 1:10). Davon haben wir aber nichts.
Nicht nur Werbeabteilungen, auch Diskussionsteilnehmer in den einschlägigen Foren argumentieren immer wieder damit, wie feinsinnig das menschliche Gehör sei. Dabei beziehen sie sich auf Studien im Zusammenhang mit Testtönen und vergleichender direkter Umschaltung. Begleitend dazu gibt es nicht selten Grafiken, bei denen die Y-Achse derartig gespreizt wurde, dass so ziemlich alles beeindruckend aussieht. Auf diese Art kann man auch wunderbar „Schreckgespenster“ malen. Mit technischen Laien kann man alles machen und das nützen clevere Leute einfach schamlos aus.

Bei Lautsprechern ist es leider so, dass deren Wiedergabefehler immer größer werden, desto mehr Schall sie abgeben. Somit sollte vor der Anschaffung passender Komponenten eine der zentralen Fragen sein, wie laut man damit hören will und das bei noch guter Qualität. Komischer Weise fragt danach kein Händler, immer wird davon ausgegangen dass ohnehin nur leise gehört wird.
Wer vorwiegend in Zimmerlautstärke hört, dem werden kleine(re) Lautsprecher ausreichen. Aber die Kleinheit hat irgendwo ihre Grenzen! Die heute vorwiegend von den Großmärkten angebotenen handtellergroßen Plastikböxelchen samt kleinem Dröhnwürfel (wird auch als Subwoofer bezeichnet!) sind so ziemlich das Traurigste das die Audioindustrie je hervorgebracht hat. Sie sind bestenfalls für’s kleine „Patschenkino“ geeignet, zum ernsthaften Musikhören jedoch nicht, denn man kann auch hier die Naturgesetze nicht überlisten. Ohne dementsprechende Membranflächen kann man kein Großorchester bzw. keine Rockband wiedergeben und bei passiven Lautsprechern ist dazu noch viel Gehäusevolumen notwendig. Lassen Sie sich vor allem auf diesem Gebiet nicht von technischen Daten blenden! Es gibt keine Kleinbox, die mit ausreichendem Schalldruck 35Hz wiedergeben kann, zumindest keine passive! Auch muss kein Lautsprecher bis weit über 20kHz reichen, denn derartige Frequenzen hören nicht einmal ganz junge Leute. Es gibt keine Aufnahmen wo derartige Frequenzen vorkommen und auch kein Musikinstrument, das in diesem Bereich noch etwas Entscheidendes erzeugt. Das Märchen, dass man derartige Frequenzen empfinden kann, obwohl man sie nicht hört, ist lächerlich. Und vor allem: kein Studio bearbeitet sie, immer wird alles über 20kHz radikal abgeschnitten, auch bei hochauflösenden Formaten. Beim CD-Format ist hier sowieso (technisch begründet) Schluss.

Gerade bei Lautsprechern gibt es relativ große Klangunterschiede, die in engem Zusammenhang mit der angewandten Technik stehen. Einen Idealfall gibt es nicht, nicht einmal um sehr viel Geld. Alles dabei ist kompromissbehaftet, weil jedes System Vor- und Nachteile hat. Das gilt auch für jedes sich darin befindliche Bauteil.
Ein möglichst kompromisslos konstruierter Lautsprecher wäre mit Sicherheit ziemlich groß, hässlich und keinesfalls – so wie 95% aller HiFi-Lautsprecher – mit passiver Technik ausgestattet. Als Maßstab kann man hochwertige aktive Studiomonitiore heranziehen, denn hier wird ohne Rücksicht auf gefällige Optik konstruiert und gebaut. Aber Vorsicht, denn wer glaubt damit automatisch den für sich gefälligsten Klang zu bekommen, der könnte schwer enttäuscht werden, obwohl diese Lautsprecher mit Sicherheit alles „richtiger“ machen als HiFi Lautsprecher!
Studiomonitore sind „Werkzeuge“ und nicht unbedingt Lautsprecher zum genussvollen Hören.

Gibt es Lautsprecher, die besonders räumlich klingen?

Dass es hier große Unterschiede geben soll, das hört und liest man ja immer wieder. Welch‘ ein Unsinn! Tatsächlich ist es nämlich so, dass ein Einzellautsprecher darauf keinerlei Einfluss hat. Räumliche Wiedergabe entsteht – abgesehen von diesbezüglich guten Aufnahmen – erst durch die Anwendung zweier gleicher Lautsprecher und bei absoluter Symmetrie in jeder Hinsicht. Begünstigt wird die räumliche Wiedergabe bestenfalls durch eine möglichst punktförmige Schallabstrahlung, so wie sie Koaxe erzeugen, aber auch diese sollte man nicht überbewerten, weil die räumliche Wiedergabe vor allem im Mitteltonbereich entsteht und gute Lautsprecher diesen Frequenzbereich meist sowieso ziemlich punktförmig abstrahlen.

Um die räumliche Wiedergabe zu verstehen, muss man sich nur vergegenwärtigen wie Stereo funktioniert, nämlich auf Basis von Intensitätsunterschieden und Laufzeitunterschieden. Die tonale Qualität der Wiedergabe ist dabei weitgehend egal, billige Lautsprecher können genau so gut Stereo wiedergeben und räumlich klingen wie teure.

Über gute oder schlechte räumliche Wiedergabe entscheidet also nicht die „Hardware“ sondern einerseits die Software (die Aufnahme) und andererseits die Symmetrie bei der Wiedergabe. Sonst nichts (jetzt einmal abgesehen von völligen Schrottgeräten).

Einen guten Beweis für all‘ das liefert uns die Wiedergabe mit nur einem Lautsprecher. Wie beim Hören mit einem Ohr oder beim Sehen mit einem Auge gibt es dann keinerlei Räumlichkeit bzw. 3D-Effekt. Nur aufgrund von zwei unterschiedlichen, aber zusammenpassenden Informationen kann uns unser Gehirn „Räumlichkeit“ vermitteln.

Wie genau muss das alles sein?

Leider sehr genau. Und zwar deshalb, weil die Wellenlängen im entscheidenden Mitteltonbereich nur 1- 4 Dezimeter lang sind und somit eine Kopfverschiebung links/rechts um nur wenige Zentimeter bereits hörbare Fehler verursacht.

Dazu kommt: desto besser alles stimmt – bzw. desto genauer beide Lautsprecher ihren Schall auf einen Punkt (Kopf des Hörers) fokussieren („Sweetspot“), umso besser ist die räumliche Wiedergabe, aber auch umso dramatischer die Auswirkungen bei kleinen Unzulänglichkeiten.

Somit ergibt sich: Stereo (ebenso Surround) und räumliches Hören gibt es nur an einem sehr kleinen Punkt vor den Lautsprechern. Gemeinsames Hören funktioniert – wenn überhaupt – nur beim Sitzen hintereinander (die hinten sitzende Person müsste zudem noch größer sein, bzw. höher sitzen), aber niemals nebeneinander.

Laut meiner Erfahrung kaufen und verwenden zwar die meisten Leute Stereoanlagen, aber sie hören damit gar nicht Stereo. Und das ohne es zu wissen. Viel eher „berieseln“ sie den Raum mit zweikanaliger Musik, aber nichts passt dabei zusammen. Klar kann man so auch Musik hören und auch genießen, aber der Sinn von Stereo wird dabei nicht erfüllt.

Klingen Aufnahmen im datenreduzierten MP3 Format schlecht? Klingen selbstgebrannte CD’s schlecht?

Beides stimmt absolut nicht. Die selbstgebrannten CD’s sind keinesfalls von den originalen zu unterscheiden. Bei Musik im MP3-Format mit ausreichend hoher Datenrate (ab ca. 160kBit/Sec. aufwärts) ist bisher Jeder daran gescheitert, der versucht hat das in verblindeten Zustand zu erkennen. Hier unterliegt man (wie so oft) einem Vorurteil. Allerdings gibt es für den Heimbetrieb keinen Grund, vorhandene Datenträger im MP3-Format abzuspeichern, denn Speicherplatz kostet heute nicht mehr viel. Auch kommt man vom MP3-Format nicht mehr ohne Datenverlust zurück zum Originalformat. Das MP3 Format macht also hauptsächlich Sinn wenn wenig Speicherplatz zur Verfügung steht und/oder wenn Musik per Internet verschickt werden soll. In jedem Fall ist es für „Berieselungsmusik“ mehr als gut genug.

Zusammenfassung

Rund um HiFi ist sehr viel anders als allgemein angenommen wird. Es existieren Beschränkungen, die auch Leute die täglich mit HiFi zu tun haben nicht wissen, nicht erkennen oder nicht richtig verstehen. Fast alle HiFi Verkäufer und Berater haben kein Basiswissen, sie kennen nur Ziffern, Schlagworte, Prospekte und Tests. Sie „plappern“ einfach nur das nach, was sie lesen und kommen nie auf die Idee, etwas davon zu hinterfragen. Aber auch die welche mehr wissen (z. B. Konstrukteure) werden sich hüten etwas zu sagen, weil sie eigennützig denken (müssen).

HiFi Magazine klären nicht auf, sie wollen nur Sensationelles berichten. Denn mit der Wahrheit und ohne Schlagzeilen sind keine hohen Auflagezahlen zu erreichen. Deshalb gibt es mit jeder Ausgabe zumindest einen spannenden und reißerischen Artikel, in dem mit haarsträubenden Erklärungen klangverbessernde Zubehörteile beschrieben und empfohlen werden. Sätze wie „ich habe geglaubt eine andere, viel teurere Anlage zu hören!“ kommen dabei immer wieder vor. Tatsächlich ist der beschriebene Klanggewinn den die teilweise teuren Empfehlungen mit sich bringen sollen im verblindeten Vergleich nie zu erkennen. Das gleiche Geld in bessere Raumakustik investiert, würde sowohl messbar als auch hörbar zu einer Klangverbesserung führen.

Fast Jeder der glaubt die Wiedergabequalität einer HiFi Anlage beurteilen zu können, kennt den natürlichen Klang von Musikinstrumenten nicht. Das gilt (vermutlich) auch für viele Leute, die Testberichte schreiben. Die meisten vergleichen immer nur eine HiFi Komponente (oder Anlage) mit einer anderen. Viele Leute die testen, machen dann noch den Fehler, „mehr“ (Bass, Höhen) mit „besser“ zu verwechseln. Dazu kommt, dass die wenigsten Musikproduktionen dazu geeignet sind, wichtige Eigenschaften einer HiFi Anlage zu beurteilen.

Die „tollsten“ technischen Daten kommen in der Praxis nicht annähernd zum Tragen. Somit ist das Studieren“ von Ziffern der falsche Weg, um dem Ziel einer richtigen Kaufentscheidung näher zu kommen.

Schlechter Klang resultiert in den meisten Fällen aus schlechter Raumakustik und/oder schlechten Aufnahmen. Fast jede (bessere) HiFi Anlage wird dadurch in ihrer Qualität limitiert und spielt unter ihrem tatsächlichen Wert. Daraus sollte aber nicht der Rückschluss gezogen werden, dass ein billiger „Plastik-Stereoturm“ aus dem Kaufhaus für gute Musikwiedergabe ausreicht! Eine ordentliche HiFi Anlage klingt (wenn alles passt) unvergleichlich besser. Aber nicht deshalb, weil sie so viel bessere Daten aufweist, sondern weil sie wesentlich kompromissloser konstruiert ist und die weitaus besseren physikalischen Voraussetzungen dazu mitbringt.